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Was ist eigentlich AD(H)S?

Wofür steht ADHS?

ADHS steht für Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndrom. Ein Syndrom ist eine Ansammlung verschiedener Symptome oder Befunde. Als Synonym hört man manchmal auch Begriffe wie hyperkinetisches Syndrom (HKS), psychoorganisches Syndrom (POS) oder aber „Zappelphilipp-Syndrom“. Die Leitsymptome bei betroffenen Menschen sind Störung der Aufmerksakeitseistung, hohes motorisches Aktivitätsniveau und reduzierte Impulskontrolle.

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Ist ADHS eine Erkrankung?

Die Meinungen, ob es sich bei einem ADHS um eine nicht krankhafte, individelle Besonderheit handelt oder aber um eine Krankheit, gehen weit auseinander. Es gibt keine scharfe Grenze zwischen sogenannt „normalem“ oder aber als auffällig eingestuftem Verhalten. Zudem sind wir Menschen alle einmalig und einzigartige Geschöpfe, welche sich entsprechend unterschiedlich verhalten. Interessant ist auch zu wissen, dass unser Verhalten in unterschiedlichen Zeitepochen sehr verschieden beurteilt wurde. Auch heute wird das gleiche Verhalten – je nach Kultur – ganz unterschiedlich bewertet (von völlig normal bis krankhaft störend).  Zum Thema wird ein (ausgeprägtes) AD(H)S bei den Betroffenen und deren Familien oft spätestens dann, wenn das Kind eingeschult werden soll. Bezüglich Unaufmerksamkeit (Störung der Aufmerksamkeitsleistung), intensive körperliche Unruhe (hohes motorisches Aktivitätsniveau) und Sprunghaftigkeit (reduzierte Impulskontrolle) verhalten sich betroffene Kinder oft auffallend anders als die Mehrheit ihrer Klassenkolleginnen & -kollegen.

ADHS, ADS

Häufigkeit von AD(H)S

Die Zahlenangaben bezüglich Häufigkeit weichen stark voneinander ab – je nach Art der Diagnosestellung (welche Kriterien, wie gewichtet). Meist wird eine Zahl von 3-5% angegeben. Knaben sind deutlich häufiger betroffen. Während man vor noch nicht allzu langer Zeit davon ausging, dass sich ein ADHS im Jugend- und frühen Erwachsenenalter „auswächst“, ist dies heute widerlegt. Auch Erwachsene sind von ADHS betroffen. Manchmal wird eine entsprechende Diagnose sogar erst spät gestellt. Betroffene sagen dann – oftmals gekoppelt mit einer gewissen Erleichterung: „Jetzt verstehe ich endlich, warum ich in meinem Leben so viele Herausforderungen zu bewältigen habe – dies seit ich mich erinnern kann!“

Entstehung eines ADHS

Es gibt verschiedene Faktoren, die dazu führen können, dass eine Person von einem AD(H)S betroffen ist. Ob und wie stark diese einzelnen Einflussfaktoren schlussendlich „zum Zuge“ kommen & sichtbar werden, ist von vielen Fakten abhängig und individuell verschieden. Zudem kann die Ausprägung der Symptome in verschiedenen Lebensabschnitten der Betroffenen auch stark variieren! Immer handelt es sich um vielschichtige Wechselwirkungen von biologischen, seelischen und auch gesellschaftlichen Faktoren. Es sind also nie allein die Gene und auch nie allein die Umwelt, Erziehung oder Ernährung, welche ADHS hervorrufen und deren Ausprägung bestimmen.

Ursachen für ein AD(H)S

Als wichtige Komponenten bezüglich möglicher Ursachen und auch Stärke der Ausprägung eines AD(H)S gelten zurzeit:

  • erblicher Einfluss (= genetische Veranlagung)
  • Umwelt/Umfeld: z.B. Verlauf Schwangerschaft & Geburt; Gesundheitszustand der werdenden Mutter; Erziehungsstil; Ernährung; Bewegung; soziales Umfeld; Einflüsse wie hoher Bildschirmkonsum etc. 
  • Strukturund Funktionsvarianten bestimmter Gehirnregionen (z.B. zuständige Regionen für Aufmerksamkeits- & Verhaltenssteuerung)

Varianten im NeurotransmitterBereich: Dabei geht man von einer teils veränderten Informationsübertragung zwischen gewissen Nervenzellen aus. Dass das AD(H)S durch bestimmte Arzneien (Stimulanzien) beeinflusst werden kann, wird als Beleg für eine Hirnstoffwechsel-Variante angesehen.

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Symptome, Herausforderungen, Probleme

Leitsymptome bei AD(H)S

Auf die meisten der Betroffenen treffen folgende Leitsymptome zu:

Störung der Aufmerksamkeitsleistungen

  • Äussere und auch innere Reize werden über die Sinnesorgane sehr intensiv auf- und wahrgenommen. Auch können all diese Reize schlecht gefiltert werden (Wichtig oder unwichtig? Beachtung schenken oder nicht?). Diese Tatsache führt oft zu vermehrter Ablenkung und somit zu verminderter Aufmerksamkeit.
  • Die ungefilterte Aufnahme vieler äusserer Reize aber auch innerer Impulse führt bei Betroffenen häufig zur Reizüberlastung und damit oft zu einer signifikant schnelleren Ermüdung/Abgeschlagenheit.
  • Langanhaltendes Konzentrieren und Dranbleiben ist auch deshalb oft eine Herausforderung für viele Betroffene.

Reduzierte Impulskontrolle

  • Sehr spontanes Handeln ist häufig – oft ohne zuvor die möglichen Konsequenzen abwägen zu können; erhöhte Risikofreudigkeit
  • Schwierigkeit zu warten, bis man an der Reihe ist
  • Wutausbrüche / aggressives Verhalten (meist kurz dauernd – für das Umfeld trotzdem sehr belastend / verletzend).

Hohes motorisches Aktivitätsniveau

  • nicht bei allen! (siehe unten)
  • viel körperliche Aktivität
  • körperliches Stillhalten (Stillsitzen) fällt schwer
  • Schwierigkeit zur Ruhe zu kommen, herunterzufahren, zu entspannen, einzuschlafen
  • Herausforderung, das richtige Mass zu finden

Wichtig zu wissen: Dieses hohe motorische Aktivitätsniveau verlagert sich mit fortschreitendem Alter oft von aussen (sichtbares Bewegen) nach innen (Nervosität und innere Unruhe; „Getrieben-Sein“).

Besondere Form: ADS

Es gibt jedoch auch Betroffene, bei denen Hyperaktivität gar kein Thema ist. Dann spricht man von einer ADS. Oft werden ADS-Betroffene als langsam und verträumt wahrgenommen. Häufiger als ADHS-Betroffene bleiben sie unauffällig und somit nicht oder erst spät diagnostiziert.

Andere Symptome

Oft gehen mit den oben erwähnten zwei oder drei Leitsymptomen weitere Symptome einher:

  • viel und schnelles Reden – oft auch das Gegenüber unterbrechend oder dessen Sätze beendend
  • Stimmungslabilität – schnelle Wechsel der Stimmungen (schnelles „Rot-Sehen“); z.T. Neigung zu Negativ-Stimmung
  • erhöhte Gefahr, schneller gereizt / aggressiv zu reagieren –> zwischenmenschliche Beziehungen können leiden und im Strassenverkehr kann es gefährlich werden
  • Probleme mit Selbstorganisation (Prioritäten setzen; Arbeiten planen und zu Ende führen; Zeiteinteilung; Termine einhalten; Verwalten von Material und Dokumenten …)
  • Umgang mit Stress fordert Betroffene mehr heraus – weniger Bewältigungsstrategien vorhanden / eingeübt
  • Umgang mit Geld als eine Herausforderung; Spontaneinkäufe mit (zu) hohen Auslagen – nicht selten auch, um jemandem etwas zu schenken…
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AD(H)S und Schule

Leider – so viele Rückmeldungen von Betroffenen und deren Eltern – erweisen sich einige Tatsachen bezüglich des heutigen Schulsystems für AD(H)S-Betroffene oft als grosse Hürden:

  • grössere Klassen (Sparmassnahmen!)
  • weniger Halbklassen-Unterricht (Sparmassnahmen!)
  • beeindruckende Heterogenität in den Klassen (verschiedenste spezielle Bedürfnisse bei zahlreichen Kindern und Jugendlichen in der Klasse)
  • immer mehr bewusst gewollt mehrklassig geführte Gruppen (AdL = Altersdurchmischtes Lernen)
  • immer mehr Lehrpersonen unterrichten eine Klasse – bereits auf der Unterstufe (viele Teilzeitpensen)
  • sehr viel Selbständigkeit und Eigenorganisation wird verlangt von den Kindern
  • teilweise fehlende Strukturen und Rituale
  • grössere Fülle an Lehrstoff und Themen – dadurch mehr Zeitdruck
  • weniger Zeit zum nachhaltigen (Ein)Üben
  • durch hohe Belastung bis an / über die Grenze herausgeforderte Lehrpersonen
  • vermehrte Lehrpersonenwechsel (Erkrankungen u.a.) – auch während des Schuljahres
  • Lehrpersonen, die nur sehr mangelhaft über AD(H)S informiert sind oder dieses als „Mode-Diagnose“ gar ablehnen

Für AD(H)S-Betroffene oft alles herausfordernde Fakten…

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Stärken von AD(H)S-Betroffenen

Es ist zentral, dass Betroffene und auch deren Umfeld den Positiv-Fokus anwenden, denn: Mit einem AD(H)S betroffene Menschen haben auch zahlreiche Stärken! Es gilt, diese zu erkennen und wertzuschätzen (d.h. aussprechen!) und so Betroffene beim Aufbau eines gesunden Selbstbildes und Selbstwertes zu unterstützen.

So hat z.B. das hohe motorische Aktivitätsniveau auch positive Auswirkungen. Nachfolgend einige Beispiele:

  • Betroffene zeigen eine oft ansteckend wirkende Begeisterungsfähigkeit für eine bestimmte Sache / ein bestimmtes Thema und engagieren sich enorm dafür…
  • Dank ausgeprägtem Energieniveau bewältigen Betroffene häufig enorme Arbeitsberge.
  • Oft haben Betroffene einen grossen Ideenreichtum und bringen nicht selten ganze Teams zu innovativen Neuerungen und Lösungswegen – im Sinne von „Thinking out of the box“ oder „frischen Wind im Alltag“…
  • Viele sind sehr offen ihren Mitmenschen (grosser Freundeskreis) und auch ihnen unbekannten Themen gegenüber. Zudem zeigen sie grosse Kreativität.
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Diagnosestellung/Behandlungsmöglichkeiten

Diagnose: Wer stellt sie?

Zentral ist, dass dies durch eine spezifisch aus- und weitergebildete und zudem bezüglich AD(H)S-Diagnosen erfahrene Fachperson geschieht. Es ist wichtig, sich diesbezüglich gut umzuhören. Gute Fachpersonen wenden strukturierte Diagnosemodule an und beziehen immer auch das Umfeld (Familie/Freunde; Schule/Arbeitsplatz) mit ein (Frage- und Beobachtungsbogen).

ADHS: Was kann helfen?

Entscheidend ist der Leidensdruck primär der Betroffenen und auch von deren Umfeld. Wenn Veränderung gewünscht ist (Leiden zu gross), dann ist Handeln / Behandlung angesagt. Nicht allzu lange „auszuhalten“ zahlt sich in der Regel aus.
Es gibt diverse hilfreiche Ansätze, welche AD(H)S Betroffene unterstützen, stärken und fördern. Man spricht vom „multimodalen Ansatz“.
Da die Ausprägung eines AD(H)S sehr individuell ist, sollen die Handlungsansätze entsprechend angepasst sein.

Erziehungsstil

Zentral für betroffene Kinder ist ein Erziehungsstil, der von Vertrauen geprägt sowie wertschätzend-respektvoll ist. Gleichzeitig soll dieser aber auch klar und konsequent sein. Angepasste Aufträge (Teilziele!) zu stellen und schnell erfolgte, positive Rückmeldungen zu Gelungenem sind wichtig. Aber auch die Unterstützung beim Verarbeiten von Rückschlägen sowie fixe Strukturen z.B. für Hausaufgaben, zu erledigende Arbeiten etc. helfen. Spezifische Eltern-Trainings können diesbezüglich sehr wertvoll sein. Manche Eltern schätzen auch einen Austausch mit anderen Betroffenen (Selbsthilfegruppen).
Auch Lehrpersonen bezüglich AD(H)S zu schulen gehört dazu; noch zu wenige sind fundiert informiert und weitergebildet.

Folgende Punkte sind bei den meisten Betroffenen von grosser Bedeutung:

  • bewusstes, aktives Fördern und Stärken eines gesunden Selbstbildes/Selbstwertes
  • Körperwahrnehmung und -entspannung üben
  • emotionale Kompetenz fördern (Umgang mit Gefühlen / Emotionen)
  • soziale Kompetenzen erweitern (Mitmenschen in Familie/Klasse / Arbeitsplatz)

Mögliche unterstützende Massnahmen/Behandlungen/Therapien

  • Begleitung und Förderung im schulischen Bereich (Heilpädagogik)
  • Ernährungsumstellung
  • Mirkronährstofftherapie (Vitalstofftherapie)
  • Sport / Bewegung
  • Ergo-, Körper-, Musik-, Tanz- oder Kunsttherapie
  • Neurofeedback
  • u.a.

Wichtig dabei ist immer, im Voraus das angestrebte Ziel zu kennen sowie die Vorlieben der Betroffenen mit einzubeziehen („Ja-Mandat“ abholen!) und entsprechend angepasst zu handeln.

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Bewegung

Wir wissen es alle: Bewegung ist wichtig – trotzdem vernachlässigen wir diese häufig. Für AD(H)S-Betroffene ist sie ein Muss. Man kann das hohe motorische Aktivitätsniveau auch als “ Selbst-Therapie“ bezeichnen. Nicht selten sind Spitzensportler AD(H)S-Betroffene!
Bewegung fördert den gesamten Stoffwechsel (incl. Produktion von Hirnbotenstoffen wie Dopamin aber auch die Hormonproduktion etc.). Das körperliche und psychisch-seelische Wohlbefinden wird durch Bewegung massiv gesteigert. Die meisten Leute kommen einfach und regelmässig zur nötigen Bewegung, wenn sie diese in den Arbeits- oder Schulweg einbauen können.

Medikamente

Bei manchen Betroffenen ist der Leidensdruck so hoch respektive der (Familien)Alltag so herausfordernd, dass Stimulanzien verabreicht werden. Leider ist es aber auch eine Realität, dass AD(H)S-Medikamente immer häufiger für immer jüngere Kinder verschrieben werden.
Leider geschieht eine Medikation oft auch bereits vor einer längeren Phase mit Anwenden von diversen Massnahmen in den verschiedenen Lebensbereichen von Betroffenen und deren Umfeld.
Nicht selten wird Eltern zudem viel Druck gemacht im Sinne von „Wenn Sie zur Medikamenten-Einnahme Ihres Kindes nicht einwilligen, verbauen Sie Ihrem Kind die (Schul-)Karriere!“. Eine sehr schwierige Situation für die Eltern sowie eine ungute Entwicklung.

Verschiedene Wirkstoffe

Oft wird der Amphetaminabkömmling Methylphenidat (unter verschiedenen Markennamen) oder aber der Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer Atomoxetin verschrieben. Als Variante kann auch Lisdexamphetamin eingesetzt werden. Alle drei Wirkstoffe sind verschreibungspflichtig – Methylphenidat und Lisdexamphetamin zählen gar zu den Betäubungsmitteln.
Diese Wirkstoffe sollen nur mit grosser Sorgfalt und Zurückhaltung verordnet werden – nach einer vorherigen seriösen AD(H)S-Abklärung und Diagnose durch eine ausgewiesene und erfahrende Fachperson. Der Verschreibung vorangehen soll auch eine eingehende medizinische Untersuchung – inklusive eines Ausschlusses von Vitalstoff-Mangelzuständen.

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Gute Information und engmaschige medizinische Kontrollen

Betroffene, und bei Minderjährigen deren Bezugspersonen, müssen auch die nötigen Informationen zur erwarteten Wirkung (z.B. Rebound) sowie v.a. auch betreffend Nebenwirkungen und (Langzeit-)Risiken bekommen.
Hinzu kommt, dass ab Einnahme-Beginn eine längerfristige und engmaschige Begleitung und Kontrolle von grosser Bedeutung ist (regelmässige Termine bei der medizinischen Fachperson!).
Leider sieht die Realität manchmal anders aus. Es gibt Ärzte, welche die Verordnungen für den weiteren Bezug des Medikamentes den Patienten per Post zustellen lassen. Und v.a. der Wirkstoff Methylphenidat wird auf manchen Pausenplätzen als „Leistungsförderer“ für Nichtbetroffene gehandelt…

Medikamente: Ja oder nein?

Das Thema „Medikamente (Stimulanzien) – ja oder nein“ wird unter Betroffenen und deren Familien sowie in den Medien sehr kontrovers thematisiert und diskutiert. Das Spektrum ist breit und geht von: „Warum (m)einem Kind ein so wertvolles Hilfsmittel nicht zukommen lassen? Ohne möglichst möglichst frühzeitige Medikation verschlimmert sich alles!“ bis hin zu „Die Verabreichung von Stimulanzien ist ein massiver Eingriff in den (Hirn-)Stoffwechsel mit zum Teil massiven Nebenwirkungen.“ Und – selbst die Hersteller stehen dazu: Niemand weiss ganz genau, was tatsächlich konkret im Körper alles beeinflusst und verändert wird. Dazu kommt, dass bis jetzt quasi keine Studien gemacht wurden betreffend allfälliger Langzeitfolgen!

Entscheidung nach reiflichem Überlegen

Zahlreiche Betroffene und deren Familien treffen ihren Entscheid bezüglich des Einsatzes von Medikamenten erst nach reiflichem Überlegen. Wichtig ist, dass sie Zugang zu objektiven und umfassenden Informationen erhalten (pro und contra) – auch von Seiten der Fachpersonen. Nicht alle Eltern/Betroffenen haben die Zeit, Energie und Fähigkeit, selbständig zu recherchieren. Wichtig ist auch, dass die Betroffenen/deren Eltern nach ihrem Entscheid, egal ob „dafür oder dagegen“, von den Fachpersonen jederzeit respektvoll-professionell begleitet und unterstützt werden. Falls dies nicht der Fall ist, soll ein Wechsel zu einer anderen Fachperson erfolgen.

AD(H)S und Ernährung

Der Ernährung kommt eine wichtige Bedeutung zu

Was man isst, ist wichtig. Aber auch die Atmosphäre, in der man eine Mahlzeit zu sich nimmt, beeinflusst Körper und Seele. Nicht zu vergessen ist auch, die Darmgesundheit einzubeziehen. Wenn die Nahrung im Darm nicht oder nur schlecht aufgenommen werden kann, hat dies früher oder später massive Auswirkungen auf den ganzen Menschen.

Grippe, grippaler Infekt, Influenza

Fast allen AD(H)S-Betroffenen helfen Strukturen im Alltag enorm. Regelmässige Essenszeiten mit einem Ritual zu Beginn (Lied, Spruch, Gebet) im gewohnten Umfeld ohne Zeitdruck wirken sich positiv aus. Wichtig gerade für Kinder ist das positive Beispiel der Bezugspersonen. Unkontrolliertes Futtern von salzigen Snacks oder Süssigkeiten parallel zu anderen Tätigkeiten (Smartphone etc.), sowie eine schlechte Qualität von Mahlzeiten (Fertigfood) wirken diesbezüglich kaum förderlich.

Sicher ist das Einhalten eines gesundes Essverhaltens in der Familie viel einfacher, wenn die Kinder noch klein sind. Das Essverhalten Jugendlicher ausserhalb des Elternhauses zu kontrollieren, ist eine Unmöglichkeit und da bringt es auch nichts, wenn sich die Bezugspersonen diesbezüglich Sorgen oder Vorwürfe machen. Darum: Umso besser, wenn positives Essverhalten schon früh von den Erwachsenen vorgelebt und gemeinsam eingeübt wird.

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AD(H)S und Zuckerkonsum

Der Zuckerkonsum in der Schweiz ist nach wie vor sehr hoch, zu hoch für viele Menschen, nicht nur AD(H)S-Betroffene!
Zucker als Verstärker von hohem motorischem Aktivitätsniveau (Hyperaktivität) und reduzierter Impulskontrolle (Impulsivität), davon berichten Eltern mit betroffenen Kindern immer wieder.
Auch hier gilt also: Bewusst hinschauen und dabei die versteckten Zucker nicht vergessen (Süssgetränke; Fruchtsäfte; Joghurts; Frühstücksflocken; Gebäcke; …). Es gilt, Alternativen zu bieten und sich gute Gewohnheiten anzueignen.

Gluten-Sensitivität bei AD(H)S-Betroffenen

Der heute verwendete Weizen in der Nahrungsmittelindustrie ist das Resultat langjähriger Züchtungen. Dieser enthält wesentlich mehr Gluten. Gluten, auch als Kleber- oder Bindeeiweiss bezeichnet, klebt die Stärkekörner in Teigen zusammen und ermöglicht so eine elastische Konsistenz der Backwaren und trägt zudem zur längeren Haltbarkeit der Produkte bei.

Immer deutlicher wird nun, dass entsprechend veranlagte Menschen (und dazu gehören AD(H)S-Betroffene häufig) sehr sensitiv reagieren auf ein Zuviel an Gluten. Ein hoher Konsum kann bei diesen Menschen die Darmschleimhaut schädigen, auch wenn keine Zöliakie oder Weizen-Allergie nachgewiesen werden kann.

Es lohnt sich also, den Weizenkonsum kritisch zu hinterfragen und allenfalls Weizen mit glutenfreien Produkten wie Kartoffeln, Reis, Hirse, Mais, Buchweizen, Amaranth oder Quinoa zu ersetzen. 

Belastung durch Milcheiweisse

Die Erfahrung zeigt: AD(H)S-Betroffene kämpfen gehäuft mit Haut- und Verdauungsproblemen (Ekzeme, Neurodermitis; Blähungen, Durchfall). In diesem Zusammenhang kann es sich lohnen, den Konsum von Milch- und Milchprodukten unter die Lupe zu nehmen.

Vitalstoffe/Mikronährstoffe bei AD(H)S

Immer bekannter wird auch, dass die fehlende Aufnahme (ungesunde Ernährung / schlechte Darmgesundheit) und folglich ein Mangel von Vitalstoffen/Mikronährstoffen negativen Einfluss auf die Symptome eines AD(H)S hat. Es bestehen Zusammenhänge zwischen Mikronährstoffmangel und AD(H)S – z.B. bei Eisen, Zink, Vitamin D etc.

Diagnostiziert und behebt man solche Unterversorgungen, kann damit oft ursächlich und ohne das Verabreichen von Medikamenten eine klare Verbesserung der AD(H)S-Symptomatik erreicht werden. Dieses Vorgehen ermöglicht zudem eine Reduktion der verabreichten Medikamentendosis. Leider werden aber bis heute solche Messungen, sowie eine entsprechende Therapie kaum je durchgeführt.

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Omega-3 Fettsäuren

Der sogenannte Omega-3-Index (= Verhältnis der Omega-3-Fettsäuren zu allen anderen Fettsäuren) kann im Blut gemessen werden. Viele Menschen in unseren Breitengraden haben einen schlechten Index – AD(H)S-Betroffene weisen häufig ein noch schlechteres Verhältnis auf. Langkettige Omega-3-Fettsäuren sind von enormer Bedeutung auch für die Hirnfunktionen. Viele Studien zeigen einen eindeutig positiven Einfluss betreffend Wirksamkeit von Omega-3 Fettsäuren (v.a. DHA & EPA) bei AD(H)S-Betroffenen. Vor allem die Omega-Fettsäuren DHA (Docosahexaensäure) und EPA (Eicosapentaensäure) können helfen, die Reduktion der Negativ-Symptome bei Konzentration, hohem motorischem Aktivitätsniveau und reduzierter Impulskontrolle zu unterstützen.

ADHS, ADS, Vitamin D

Vitamin D3 (Sonnenvitamin)

Viele Menschen in der Schweiz haben einen zu tiefen Vitamin-D Spiegel! Das liegt daran, dass die Sonneneinstrahlung in unseren Breitengraden nicht ausreicht, um in der Haut genügend davon zu bilden. Vitamin D ist in über 200 Funktionen im Körper involviert.

Ein guter Vitamin D3 Spiegel ist u.a. wichtig für:

  • ein gut funktionierendes Immunsystem
  • die Verbesserung der Hirnleistung
  • die Stärkung der Muskulatur
  • den Einbau von Kalzium in die Knochen.

Magnesiummangel bei ADHS

Forscher aus Taiwan publizierten eine Metaanalyse über den Zusammenhang zwischen dem Magnesiumstatus und ADHS. Es zeigte sich, dass Kinder mit der Diagnose ADHS niedrigere Serum- und Haarmagnesiumspiegel hatten als Kinder ohne ADHS.

Zink

Zink hilft, dass der Dopamin-Spiegel erhöht wird. Interessant auch hier: Misst man den Zink-Spiegel im Blut von AD(H)S-Kindern, so ist dieser signifikant tiefer als bei nicht Betroffenen. Für eine Studie von Bilici et al im Jahr 2003 wurden 400 Kindern 150 mg Zink pro Tag verabreicht. Resultat: Eine deutliche Senkung des motorischen Aktivitätsniveaus, sowie eine Verbesserung der Impulskontrolle – jedoch keinen Einfluss auf die Aufmerksamkeitsleistung.

Eisen (Ferritin)

Bekannt ist, dass dieses für die Dopamin-Synthese gebraucht wird. 84% aller AD(H)S-Kinder haben einen deutlichen Ferritin-Mangel! Und: Je schwerer der Mangel ist, desto eindrücklicher zeigen sich die Symptome des AD(H)S. Leider gibt es aber noch keine relevanten Studien über die Wirksamkeit von Eisen-Substitution. Es lohnt sich aber sicher, diesen Wert im Blut messen zu lassen und entsprechend zu handeln.

Andere Vitalstoffe

Weitere Vitalstoffe können zur Verbesserung des Wohlbefindens von AD(H)S-Betroffenen beitragen. Auch zur Stärkung des Immunsystems sowie zur Verbesserung der Darmgesundheit gibt es im Bereich der Vitalstoffe hoch wirksame, bewährte Produkte. Eine gute Beratung mit individueller Dosierung ist immer wichtig.

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