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Sarkopenie ist der altersbedingte Verlust von Muskelmasse und Muskelkraft. Er beginnt schleichend zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr; danach gehen jährlich bis zu 1 bis 2 % Muskelmasse und teils bis zu 3 % Kraft verloren. Rund jede zweite Person über 80 ist betroffen. Die gute Nachricht: Man kann massiv gegensteuern. Die zwei stärksten Hebel sind Krafttraining und genügend Eiweiss (im Alter 1,0 bis 1,5 g pro Kilogramm Körpergewicht statt der üblichen 0,8 g). Eiweiss ohne Training bringt fast nichts, die Kombination ist entscheidend. Vitamin D3, Kreatin und Omega-3 unterstützen zusätzlich. Mit einfachen Selbsttests lässt sich zuhause abschätzen, wo man steht.
Ab einem bestimmten Alter wird das Glas Wasser schwerer, die Treppe steiler, das Aufstehen vom Sofa zur kleinen Übung. Viele halten das für normales Älterwerden, das man hinnehmen muss. Das stimmt nur zur Hälfte. Der Muskelschwund im Alter hat einen Namen, Sarkopenie, und er ist erstaunlich gut beeinflussbar.
Passend zum grossen Longevity-Thema rückt genau dieser Punkt in den Vordergrund: Nicht die Lebensjahre allein zählen, sondern wie selbstständig und beweglich man sie verbringt. Und kaum etwas entscheidet darüber so stark wie die Muskulatur. Dieser Ratgeber erklärt, was Sarkopenie ist, wie du sie an dir selbst erkennst, und gibt dir konkrete Übungen, eine Eiweiss-Tabelle und einen Wochenplan mit, mit dem du sofort starten kannst.

Muskeln sind kein statisches Gewebe. Sie werden ständig auf- und abgebaut, im ständigen Gleichgewicht. Mit den Jahren verschiebt sich dieses Gleichgewicht: Der Körper baut Muskeleiweiss langsamer auf, die Enzymaktivität in den Kraftwerken der Zellen (den Mitochondrien) lässt nach, und Hormone, die den Aufbau fördern, sinken.
Zwei Faktoren beschleunigen das massiv: zu wenig Eiweiss und zu wenig Bewegung. Beides ist im Alter überdurchschnittlich häufig. Der Appetit lässt nach, Eiweiss macht schneller satt, und wer weniger unterwegs ist, setzt dem Abbau weniger entgegen. So entsteht ein Abwärtssog, der sich selbst verstärkt: weniger Muskeln, weniger Kraft, weniger Bewegung, noch weniger Muskeln.
Warum das mehr ist als eine Frage der Fitness: Schwache Muskeln bedeuten ein höheres Sturzrisiko, längere Erholung nach Krankheiten und einen Verlust an Selbstständigkeit. Muskeln sind zudem ein Stoffwechselorgan, sie helfen, den Blutzucker zu regulieren. Ihr Erhalt ist also weit mehr als Ästhetik.
Du brauchst kein Labor, um ein Gefühl für deinen Stand zu bekommen. Diese drei Tests werden ähnlich auch in der Praxis verwendet. Sie ersetzen keine Diagnose, geben dir aber ein ehrliches Bild.
| Test | So geht’s | Warnsignal |
|---|---|---|
| Aufsteh-Test | Fünfmal hintereinander von einem Stuhl aufstehen und hinsetzen, ohne die Hände zu benutzen | wenn es deutlich länger als etwa 12 Sekunden dauert oder ohne Hände nicht geht |
| Waden-Griff | die dickste Stelle der Wade mit beiden Händen umfassen | wenn viel Platz bleibt und die Wade sehr dünn wirkt (grober Hinweis auf wenig Muskelmasse) |
| Griffkraft-Gefühl | Deckel öffnen, schwere Tasche tragen, Händedruck | wenn Alltagsgriffe spürbar schwächer werden als früher |
Fällt einer dieser Tests auffällig aus, ist das kein Grund zur Panik, sondern ein guter Startpunkt. Bei deutlicher Schwäche, Stürzen oder raschem Kraftverlust lohnt sich eine ärztliche Abklärung, auch um andere Ursachen auszuschliessen.

Es führt kein Weg daran vorbei, und das ist eigentlich eine ermutigende Botschaft: Der wirksamste Weg gegen Sarkopenie steht jedem offen und kostet wenig. Muskeln wachsen nur, wenn sie gefordert werden. Ausdauer allein, also spazieren oder velofahren, ist gut fürs Herz, reicht als Muskelreiz aber nicht.
Die Datenlage ist eindeutig: Schon eine klassische Studie von Fiatarone und Kollegen (New England Journal of Medicine) zeigte, dass selbst Menschen jenseits der 80 mit progressivem Krafttraining messbar Muskelkraft aufbauen. Der Körper verliert die Fähigkeit nicht, er braucht nur den Anlass.
Du brauchst kein Fitnessabo. Diese Übungen fordern die grossen Muskelgruppen und lassen sich im Wohnzimmer machen. Beginne mit wenigen Wiederholungen und steigere langsam.
Der entscheidende Begriff heisst progressive Belastung: Sobald eine Übung leicht wird, machst du mehr Wiederholungen, eine Serie mehr oder nimmst ein leichtes Gewicht dazu, etwa eine Wasserflasche oder einen Rucksack. Ohne diese Steigerung stagniert der Muskel. Empfehlenswert sind zwei bis drei kurze Einheiten pro Woche.

Hier liegt der zweite grosse, oft unterschätzte Punkt. Der übliche Richtwert von 0,8 g Eiweiss pro Kilogramm Körpergewicht gilt für jüngere Erwachsene. Im Alter braucht der Körper mehr, weil er Eiweiss weniger effizient in Muskeln umsetzt. Aktuelle Leitlinien empfehlen deshalb 1,0 bis 1,5 g pro Kilogramm. Für eine 70 kg schwere Person sind das rund 70 bis 105 g Eiweiss am Tag.
Genauso wichtig wie die Menge ist die Verteilung. Der Körper kann pro Mahlzeit nur eine begrenzte Portion für den Muskelaufbau nutzen. Besser als 60 g Eiweiss am Abend sind drei Portionen von je 25 bis 30 g über den Tag: Frühstück, Mittag, Abendessen.
Damit «25 bis 30 g pro Mahlzeit» greifbar wird, hier gängige Lebensmittel mit ihrem ungefähren Eiweissgehalt:
| Lebensmittel | Eiweiss (ca.) |
|---|---|
| Hähnchenbrust, 100 g | 25 bis 30 g |
| Magerquark, 250 g Becher | rund 27 g |
| Skyr, 150 g | rund 20 g |
| Linsen, gekocht, 150 g | rund 15 g |
| 1 Ei | rund 7 g |
| Hartkäse, 30 g | rund 8 g |
Ein Frühstück mit einem Becher Magerquark und etwas Nüssen deckt also fast eine ganze Portion. Wer über das Essen nicht auf die Menge kommt, kann mit einem hochwertigen Proteinpulver ergänzen, etwa auf pflanzlicher Basis wie unser PurePlantPROtein oder mit einem Aminosäurenkomplex wie Amino Vida. Für den Muskelaufbau besonders wichtig ist die Aminosäure Leucin, die vor allem in Milchprodukten, Eiern und Fleisch steckt.

Rund um Training und Eiweiss gibt es drei Mikronährstoffe mit guter Datenlage für die Muskelgesundheit im Alter.
| Nährstoff | Rolle für die Muskeln |
|---|---|
| Vitamin D3 | wichtig für Muskelfunktion und Kraft; ein Mangel ist im Alter sehr verbreitet und erhöht das Sturzrisiko |
| Kreatin | unterstützt Kraft und Muskelrobustheit, auch bei älteren Menschen; wirkt am besten mit Krafttraining |
| Omega-3-Fettsäuren | können die Muskelproteinsynthese und die Reaktion auf Training unterstützen |
Beim Vitamin D lohnt sich gerade in der Schweiz ein Blick auf den Status, weil im Winterhalbjahr die Sonne für die körpereigene Bildung nicht ausreicht. Den Wert kann man ärztlich bestimmen lassen und bei Bedarf ergänzen. Kreatin hat sein reines Fitnessstudio-Image längst hinter sich gelassen. Es ist eines der am besten untersuchten Supplemente überhaupt und gerade im Alter interessant. Wir haben dem Thema einen eigenen Beitrag gewidmet: Kreatin: Wirkung, Mythen & Dosierung. Zu Vitamin D siehe das Lexikon zu Vitamin D3, zu den Fettsäuren der Beitrag Omega-3: Wirkung.
Muskeln wachsen nicht während des Trainings, sondern in der Erholung danach. Deshalb gehören ausreichend Schlaf und Ruhetage zum Programm. Zwei bis drei Krafteinheiten mit Pausen dazwischen bringen mehr als tägliches Malträtieren derselben Muskeln.
Ein Wort zu Frauen: Rund um die Menopause sinkt der Östrogenspiegel, was den Muskelabbau zusätzlich begünstigt. Gerade dann zahlt sich Krafttraining plus ausreichend Eiweiss besonders aus. Es ist eine der wirksamsten Massnahmen, um in dieser Phase Kraft und Knochendichte zu halten.
Du musst nicht alles auf einmal umstellen. Ein machbarer Start sieht etwa so aus:
Das Schöne daran: Fortschritte kommen schneller, als viele erwarten. Kraftzuwächse sind in den ersten Wochen oft deutlich spürbar, nicht weil sofort viel Muskel dazukommt, sondern weil das Nervensystem die vorhandene Muskulatur besser ansteuert. Dieser frühe Erfolg motiviert, dranzubleiben.

Zwei Botschaften stehen am Ende. Erstens: Es ist nie zu spät. Selbst hochbetagte Menschen bauen mit Training nachweislich Kraft auf. Zweitens, und mindestens so wichtig: Es ist nie zu früh. Wer mit 45 oder 50 seine Muskulatur pflegt, geht mit einem grösseren Polster ins Alter. Muskeln sind eine Altersvorsorge, die keine Bank bietet, einzahlen kann man jederzeit.
Erste Hinweise geben einfache Selbsttests: fünfmal ohne Hände vom Stuhl aufstehen, die Wade umfassen, die Griffkraft im Alltag beobachten. Fallen diese auffällig aus oder häufen sich Stürze und Kraftverlust, ist eine ärztliche Abklärung sinnvoll.
Idealerweise ab 40 bis 50, denn dann beginnt der schleichende Abbau. Aber auch ein Start mit 70 oder 80 lohnt sich klar, der Muskel reagiert in jedem Alter auf Training.
Für Herz und Ausdauer sind sie wertvoll, gegen Muskelabbau reichen sie allein nicht. Es braucht einen echten Kraftreiz, der die Muskeln fordert. Am besten kombinierst du beides.
Im Alter etwa 1,0 bis 1,5 g pro Kilogramm Körpergewicht täglich, verteilt auf drei Portionen von je rund 25 bis 30 g. Für 70 kg sind das grob 70 bis 105 g pro Tag. Ein Becher Magerquark liefert bereits rund 27 g.
Ja. Kreatin unterstützt Kraft und Muskelrobustheit gerade im Alter und ist gut untersucht. Die Wirkung entfaltet sich am besten zusammen mit Krafttraining. Bei Nierenerkrankungen vorher ärztlich abklären.
In vielen Fällen ja. Mit konsequentem Krafttraining und ausreichend Eiweiss lässt sich Muskelmasse auch nach Jahren des Abbaus wieder aufbauen. Geduld über mehrere Monate zahlt sich aus.
Quellen:
Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei bestehenden Erkrankungen vor Trainingsbeginn ärztlich Rücksprache halten.
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